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WarnungAktualisiert: 9. Mai 20268 Min. Lesezeit

Gewinnspiel-Betrug: Wenn der angebliche Gewinn zur Kostenfalle wird

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Gewinnspiel-Betrug im Überblick

Gewinnspiel-Betrug gehört zu den ältesten und hartnäckigsten Betrugsmaschen überhaupt. Die Grundformel ist einfach: Verbraucher erhalten die Nachricht, einen hohen Geldbetrag, ein Auto oder eine Reise gewonnen zu haben — müssen aber vorab eine Gebühr zahlen, um den Gewinn zu erhalten. Ein seriöses Gewinnspiel verlangt niemals eine Vorauszahlung.

Die Bundesnetzagentur und die Verbraucherzentralen registrieren jährlich Hunderttausende Beschwerden über betrügerische Gewinnmitteilungen. Laut einer Studie der Verbraucherzentrale Niedersachsen erhält jeder zweite deutsche Haushalt regelmäßig unerwünschte Gewinnbenachrichtigungen per Post, E-Mail oder Telefon. Die Schäden summieren sich bundesweit auf geschätzt über 50 Millionen Euro jährlich.

Häufige Betrugsmaschen

Gewinnspiel-Betrüger nutzen verschiedene Kanäle und Methoden:

  • Gefälschte Gewinnbriefe: Aufwendig gestaltete Briefe informieren über einen angeblichen Gewinn von z. B. 50.000 Euro oder einem Neuwagen. Zum „Einlösen" soll eine Bearbeitungsgebühr überwiesen werden.
  • E-Mail-Gewinnbenachrichtigungen: E-Mails informieren über einen angeblichen Lotteriegewinn — obwohl Sie nie an einer Lotterie teilgenommen haben.
  • SMS und WhatsApp: Kurznachrichten mit Links zu angeblichen Gewinnspielen, die persönliche Daten oder eine Gebühr abfragen.
  • Pop-up-Fenster im Internet: „Herzlichen Glückwunsch! Sie sind der 1.000.000ste Besucher!" — solche Pop-ups sind immer Betrug.
  • Social-Media-Gewinnspiele: Gefälschte Gewinnspiele bekannter Marken, die Daten sammeln oder Gebühren verlangen.

Gewinnbetrug am Telefon

Besonders häufig und aggressiv ist der Gewinnbetrug per Telefon. Professionell geschulte Anrufer teilen mit, dass Sie einen hohen Geldbetrag gewonnen haben. Der typische Ablauf:

  • Sie werden mit der Nachricht eines angeblichen Gewinns von z. B. 38.750 Euro überrumpelt
  • Für die „Gewinnübergabe" müsse lediglich eine Bearbeitungsgebühr, Versicherung oder Steuervorauszahlung geleistet werden
  • Die Zahlung soll per Gutscheinkarten (Google Play, Amazon), per Überweisung an ausländische Konten oder per Nachnahme erfolgen
  • Nach der Zahlung folgt ein erneuter Anruf mit einer weiteren Forderung — der Betrug eskaliert

Die Bundesnetzagentur kann bei unerlaubten Werbeanrufen Bußgelder bis zu 300.000 Euro verhängen und hat diese Befugnis in den letzten Jahren verstärkt genutzt. Verbraucher können störende Nummern der Bundesnetzagentur melden.

Warum Sie niemals für einen „Gewinn" zahlen müssen

Das wichtigste Erkennungsmerkmal für Gewinnspiel-Betrug ist die Forderung einer Vorauszahlung. Die Verbraucherzentrale stellt klar:

  • Seriöse Gewinnspiele verlangen niemals eine Vorauszahlung. Weder Bearbeitungsgebühren, noch Transportkosten, noch Steuervorauszahlungen.
  • In Deutschland werden Lotteriegewinne steuerfrei ausgezahlt — es gibt keine Steuervorauszahlung auf Gewinne.
  • Sie können nur gewinnen, wenn Sie auch teilgenommen haben. Wenn Sie sich nicht an eine Teilnahme erinnern, haben Sie auch nichts gewonnen.
  • Seriöse Anbieter verlangen nie Zahlung per Gutscheinkarten. Diese Zahlungsmethode ist ein eindeutiges Betrugszeichen.

Echte vs. falsche Lotterien erkennen

So unterscheiden Sie seriöse von betrügerischen Lotterien:

  • Staatliche Lotterien: Lotto 6aus49, Eurojackpot, GlücksSpirale — diese werden ausschließlich über offizielle Annahmestellen und Webseiten angeboten.
  • Regulierung: In Deutschland benötigen Lotterien eine Genehmigung. Die Aufsichtsbehörden der Bundesländer (Glücksspielaufsicht) führen Register über erlaubte Anbieter.
  • Klare Teilnahmebedingungen: Seriöse Anbieter haben transparente Teilnahmebedingungen, Gewinnwahrscheinlichkeiten und eine ordnungsgemäße Gewinnausschüttung.
  • Keine unaufgeforderte Kontaktaufnahme: Staatliche Lotterien informieren Gewinner nicht unaufgefordert per Telefon, E-Mail oder Brief. Gewinne werden über das System der Annahmestellen oder Online-Konten gutgeschrieben.

Rechtliche Situation

Gewinnspiel-Betrug ist in Deutschland nach mehreren Gesetzen strafbar:

  • § 263 StGB (Betrug): Die Täuschung über einen nicht existierenden Gewinn zum Zweck der Bereicherung.
  • § 16 UWG: Verbot der irreführenden Gewinnmitteilung — auch ohne finanzielle Forderung ist die Vortäuschung eines Gewinns wettbewerbswidrig.
  • § 7 UWG: Verbot unerlaubter telefonischer Werbung ohne vorherige Einwilligung.

Verbraucher, die eine Gewinnmitteilung per Post erhalten haben, können unter Umständen zivilrechtlich den angegebenen Gewinn einfordern (§ 661a BGB). Mehrere Gerichte haben in solchen Fällen den Versendern der Gewinnmitteilung die Zahlung des versprochenen Gewinns auferlegt.

Schutz und Meldung

  • Ignorieren Sie unerwartete Gewinnbenachrichtigungen — löschen Sie E-Mails, werfen Sie Briefe weg, legen Sie bei Anrufen auf.
  • Zahlen Sie niemals für einen angeblichen Gewinn — weder Gebühren noch Steuern noch „Versicherungskosten".
  • Geben Sie keine persönlichen Daten preis an unbekannte Gewinnspiel-Veranstalter.
  • Melden Sie unerlaubte Werbeanrufe bei der Bundesnetzagentur.
  • Tragen Sie sich in die Robinson-Liste ein — ein kostenloses Verzeichnis, das seriöse Unternehmen beachten (betrügerische leider nicht).
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, wenn Sie eine betrügerische Gewinnmitteilung erhalten haben.

Häufig gestellte Fragen

Muss ich für einen Lotteriegewinn Steuern vorab zahlen?
Nein. In Deutschland werden Lotteriegewinne steuerfrei ausgezahlt. Es gibt keine gesetzliche Grundlage für eine Steuervorauszahlung auf Gewinne. Jede Forderung, vor der Auszahlung eines Gewinns eine Steuer oder Gebühr zu zahlen, ist Betrug. Seriöse Gewinnspiele verlangen niemals eine Vorauszahlung jeglicher Art.
Kann ich per Gewinnmitteilung den angegebenen Gewinn einfordern?
Unter Umständen ja. Nach § 661a BGB können Verbraucher, die eine Gewinnmitteilung erhalten haben, den versprochenen Gewinn zivilrechtlich einfordern. Mehrere Gerichte haben Versendern die Zahlung auferlegt. In der Praxis ist dies jedoch oft schwierig, da die Versender häufig im Ausland sitzen oder nicht identifizierbar sind. Die Verbraucherzentrale berät zu den rechtlichen Möglichkeiten.
Wie melde ich unerlaubte Werbeanrufe?
Unerlaubte Werbeanrufe können Sie bei der Bundesnetzagentur melden — online über bundesnetzagentur.de. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, angezeigte Rufnummer und den Inhalt des Gesprächs. Die Bundesnetzagentur kann Bußgelder bis zu 300.000 Euro verhängen. Zusätzlich können Sie die Nummer Ihrem Telefonanbieter melden, um sie sperren zu lassen.
Woran erkenne ich ein seriöses Gewinnspiel?
Ein seriöses Gewinnspiel hat klare Teilnahmebedingungen, einen erkennbaren Veranstalter mit Impressum, erfordert keine Vorauszahlung und kontaktiert Gewinner nicht unaufgefordert per Telefon. Zudem müssen Sie tatsächlich an dem Gewinnspiel teilgenommen haben. Wenn Sie sich nicht an eine Teilnahme erinnern, haben Sie auch nichts gewonnen.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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