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VersicherungenAktualisiert: 9. Mai 202611 Min. Lesezeit

Unnötige Versicherungen: Diese Policen können Sie kündigen

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Unnötige Versicherungen: Die größten Geldverschwender im Überblick

Deutsche sind Versicherungsweltmeister — leider nicht im positiven Sinne. Über 400 Millionen Versicherungspolicen gibt es in Deutschland, das sind statistisch rund fünf pro Person. Viele davon sind überflüssig und kosten über die Jahre ein kleines Vermögen. Die Verbraucherzentrale hat die häufigsten unnötigen Versicherungen analysiert und berechnet, wie viel Geld Sie durch konsequente Kündigung über 20 Jahre sparen können.

Die Grundregel lautet: Versichern Sie nur existenzbedrohende Risiken. Kleinschäden, die Sie aus eigener Tasche tragen können, sollten Sie selbst absichern — das ist langfristig immer günstiger als eine Versicherung, die von jeder Prämie auch Verwaltungskosten, Vertriebsprovisionen und Gewinn abzieht.

Geräteversicherungen: Teuer und voller Ausschlüsse

Handyversicherungen, Laptopversicherungen und Garantieverlängerungen gehören zu den profitabelsten Produkten für Versicherer — und zu den schlechtesten für Verbraucher. Die Schadenquote (Anteil der Prämien, der tatsächlich als Leistung ausgezahlt wird) liegt bei Geräteversicherungen oft unter 30 Prozent. Zum Vergleich: Bei der Kfz-Haftpflicht sind es über 85 Prozent.

Typische Kosten einer Handyversicherung: 8 bis 15 Euro pro Monat — das sind 96 bis 180 Euro pro Jahr. Nach zwei Jahren haben Sie fast den Neupreis eines Mittelklasse-Smartphones gezahlt. Dazu kommen zahlreiche Ausschlüsse:

  • Selbstverschuldete Schäden sind oft nicht gedeckt
  • Displayschäden werden häufig nur anteilig erstattet
  • Diebstahl nur bei Nachweis eines Einbruchs (einfacher Diebstahl ausgeschlossen)
  • Verschleiß und Abnutzung sind ausgeschlossen
  • Hohe Selbstbeteiligungen von 50 bis 150 Euro

Unser Rat: Legen Sie monatlich 10 Euro in ein separates Sparkonto — Ihren persönlichen „Gerätefonds". Nach wenigen Monaten können Sie kleinere Reparaturen selbst zahlen, und das Geld, das Sie nicht brauchen, gehört Ihnen.

Sterbegeldversicherung: Das schlechteste Sparprodukt Deutschlands

Die Sterbegeldversicherung ist eines der teuersten und intransparentesten Versicherungsprodukte. Sie verspricht eine Auszahlung im Todesfall zur Deckung der Beerdigungskosten (typisch 5.000 bis 10.000 Euro). Das Problem: Die Summe der eingezahlten Beiträge übersteigt die Versicherungssumme in den meisten Fällen deutlich.

Rechenbeispiel: Ein 50-jähriger Mann zahlt für eine Sterbegeldversicherung über 8.000 Euro circa 35 Euro monatlich. Bei einer Lebenserwartung von 80 Jahren zahlt er über 30 Jahre insgesamt 12.600 Euro ein — für 8.000 Euro Leistung. Ein Verlust von 4.600 Euro. Hätte er das Geld stattdessen auf einem Tagesgeldkonto gespart, hätte er weit mehr als 12.600 Euro zur Verfügung.

Alternative: Richten Sie ein Sparkonto oder Tagesgeldkonto ein und zahlen Sie dort den gleichen Betrag ein. So haben Sie jederzeit Zugriff auf das Geld und verlieren keine Beiträge durch Verwaltungskosten und Provisionen.

Reisegepäckversicherung: Doppelt abgesichert, unnötig bezahlt

Die Reisegepäckversicherung gehört zu den Versicherungen mit der schlechtesten Leistungsquote. Versicherer zahlen nur einen Bruchteil der vereinnahmten Prämien tatsächlich als Entschädigung aus. Die Gründe: strenge Nachweispflichten, niedrige Entschädigungsgrenzen und zahlreiche Ausschlüsse.

  • Airlines haften bei Beschädigung oder Verlust bis circa 1.400 Euro (Montrealer Übereinkommen)
  • Ihre Hausratversicherung deckt Einbruchdiebstahl auch im Urlaub
  • Kreditkarten bieten oft eine Reisegepäckversicherung als Inklusivleistung
  • Wertgegenstände wie Schmuck, Laptop und Kamera sind bei Gepäckversicherungen meist stark begrenzt oder ausgeschlossen

Kosten: circa 20 bis 50 Euro pro Reise oder 40 bis 90 Euro pro Jahr. Über 20 Jahre sind das 800 bis 1.800 Euro — für eine Versicherung, die in der Praxis kaum jemals zahlt.

Krankenhaustagegeld: Überflüssig für die meisten Arbeitnehmer

Die Krankenhaustagegeldversicherung zahlt einen festen Betrag pro Tag im Krankenhaus (typisch 25 bis 75 Euro). Sie soll die Zuzahlung und Verdienstausfälle ausgleichen. Das Problem: Für Arbeitnehmer besteht sechs Wochen Lohnfortzahlung, danach zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Die Zuzahlung im Krankenhaus beträgt maximal 10 Euro pro Tag, begrenzt auf 28 Tage pro Jahr (280 Euro).

Kosten der Versicherung: circa 10 bis 20 Euro monatlich (120 bis 240 Euro pro Jahr). Die maximale gesetzliche Zuzahlung beträgt 280 Euro. Sie zahlen also fast so viel für die Versicherung wie der maximale Schaden beträgt — ein klassisches Minusgeschäft.

Weitere überflüssige Policen

Insassenunfallversicherung

Wenn ein Unfall passiert, haftet die Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers für alle Insassen. Eine separate Insassenunfallversicherung ist daher doppelt. Kosten: circa 30 bis 60 Euro pro Jahr — komplett unnötig.

Glasbruchversicherung (einzeln)

Eine einzelne Glasbruchversicherung für Mietwohnungen kostet circa 30 bis 50 Euro pro Jahr. Ein einzelner Glasschaden kostet selten mehr als 200 bis 500 Euro — ein Risiko, das Sie problemlos selbst tragen können. In der Hausratversicherung ist Glasbruch oft optional enthalten.

Restschuldversicherung

Wird bei Krediten fast immer von der Bank mitverkauft und ist massiv überteuert. Die Kosten machen 10 bis 20 Prozent der Kreditsumme aus. Eine Risikolebensversicherung deckt dasselbe Risiko für einen Bruchteil des Preises ab.

Ersparnis über 20 Jahre: So viel Geld verschenken Sie

Wer alle typischen unnötigen Versicherungen besitzt und kündigt, spart erheblich:

  • Handyversicherung: 120 Euro/Jahr × 20 Jahre = 2.400 Euro
  • Sterbegeldversicherung: 420 Euro/Jahr × 20 Jahre = 8.400 Euro
  • Reisegepäckversicherung: 50 Euro/Jahr × 20 Jahre = 1.000 Euro
  • Krankenhaustagegeld: 180 Euro/Jahr × 20 Jahre = 3.600 Euro
  • Insassenunfallversicherung: 45 Euro/Jahr × 20 Jahre = 900 Euro
  • Glasbruchversicherung: 40 Euro/Jahr × 20 Jahre = 800 Euro

Gesamtersparnis über 20 Jahre: circa 17.100 Euro. Investiert in einen breit gestreuten ETF-Sparplan mit historisch durchschnittlich 7 Prozent Rendite, würde aus dieser Ersparnis ein Vermögen von über 30.000 Euro wachsen.

So kündigen Sie unnötige Versicherungen richtig

Die Kündigung ist in der Regel unkompliziert:

  • Kündigungsfrist: Meist drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres
  • Form: Schriftlich per Brief, E-Mail oder Fax (Einschreiben empfohlen)
  • Sonderkündigungsrecht: Bei Beitragserhöhung oder im Schadensfall innerhalb eines Monats
  • Widerrufsrecht: Bei Online-Abschluss 14 Tage Widerrufsfrist

Formulieren Sie die Kündigung kurz und eindeutig: Versicherungsnummer, Name, Geburtsdatum und der Satz „Hiermit kündige ich den oben genannten Versicherungsvertrag fristgerecht zum nächstmöglichen Termin." Fordern Sie eine schriftliche Bestätigung an.

Häufig gestellte Fragen

Welche Versicherungen sind am häufigsten überflüssig?
Geräteversicherungen (Handy, Laptop), Sterbegeldversicherungen, Reisegepäckversicherungen, Krankenhaustagegeld, Insassenunfallversicherungen und einzelne Glasbruchversicherungen. Diese Policen haben gemeinsam, dass die versicherten Risiken entweder anderweitig abgedeckt sind oder finanziell selbst tragbar.
Wie viel spare ich, wenn ich unnötige Versicherungen kündige?
Im Durchschnitt können Sie 500 bis 900 Euro pro Jahr sparen. Über 20 Jahre summiert sich das auf 10.000 bis 17.000 Euro. Investiert man die Ersparnis in einen ETF-Sparplan, können daraus über 30.000 Euro werden.
Ist eine Handyversicherung sinnvoll?
Nein. Eine Handyversicherung kostet 8 bis 15 Euro monatlich, was nach zwei Jahren fast dem Neupreis eines Mittelklasse-Smartphones entspricht. Zudem sind die Ausschlüsse zahlreich: einfacher Diebstahl, Verschleiß und viele Schadensarten sind nicht gedeckt. Besser: Einen eigenen Gerätefonds anlegen.
Was passiert mit eingezahlten Beiträgen bei einer Sterbegeldversicherung?
In den meisten Fällen übersteigen die insgesamt eingezahlten Beiträge die Versicherungssumme deutlich. Bei Kündigung erhalten Sie nur den Rückkaufswert, der weit unter den eingezahlten Beiträgen liegt. Eine Sterbegeldversicherung ist faktisch ein Sparprodukt mit negativer Rendite.
Wie kündige ich eine unnötige Versicherung?
Schicken Sie ein kurzes Schreiben per Einschreiben an Ihren Versicherer mit Versicherungsnummer, Ihren Daten und dem Satz: 'Hiermit kündige ich fristgerecht zum nächstmöglichen Termin.' Die reguläre Kündigungsfrist beträgt meist drei Monate zum Ende des Versicherungsjahres. Bei Beitragserhöhungen haben Sie ein Sonderkündigungsrecht.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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