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AltersvorsorgeAktualisiert: 9. Mai 202610 Min. Lesezeit

Rentenlücke berechnen: So viel fehlt Ihnen im Alter

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Was ist die Rentenlücke und warum sollten Sie sie kennen?

Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das Sie im Ruhestand benötigen, und dem Einkommen, das Sie aus gesetzlicher Rente und anderen Quellen tatsächlich erhalten. Diese Lücke müssen Sie durch private Vorsorge schließen — und je früher Sie sie kennen, desto leichter gelingt das.

Die meisten Deutschen kennen ihre Rentenlücke nicht. Dabei ist die Berechnung einfach und die Erkenntnis oft ein heilsamer Schock, der zum Handeln motiviert.

Schritt 1: Wie viel brauchen Sie im Ruhestand?

Faustregel: Im Ruhestand benötigen Sie circa 80 Prozent Ihres letzten Nettoeinkommens. Einige Ausgaben fallen weg (Sparen, Arbeitsweg, Berufskleidung), andere kommen hinzu (Gesundheit, Freizeit, Reisen).

Beispielrechnung für verschiedene Einkommensstufen:

  • Nettogehalt 2.000 Euro → Bedarf circa 1.600 Euro
  • Nettogehalt 2.500 Euro → Bedarf circa 2.000 Euro
  • Nettogehalt 3.000 Euro → Bedarf circa 2.400 Euro
  • Nettogehalt 4.000 Euro → Bedarf circa 3.200 Euro

Berücksichtigen Sie Ihren persönlichen Lebensstil: Wohnen Sie im Eigentum (Miete fällt weg)? Planen Sie viele Reisen? Haben Sie teure Hobbys? Werden Kredite bis zur Rente abbezahlt sein? Passen Sie den Prozentsatz entsprechend an.

Schritt 2: Ihre gesetzliche Rente verstehen

Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung zeigt Ihnen drei Zahlen:

  • Aktuelle Rente: Was Sie erhalten würden, wenn Sie heute in Rente gingen
  • Hochgerechnete Rente: Was Sie voraussichtlich erhalten, wenn Sie bis zum Rentenalter weiter einzahlen wie bisher
  • Rente mit Anpassung: Wie die Rente mit voraussichtlichen Rentenerhöhungen aussähe (optimistisch!)

Wichtig: Nutzen Sie die hochgerechnete Rente ohne Anpassung als Planungsgrundlage. Davon müssen Sie noch abziehen:

  • Krankenversicherungsbeiträge: circa 11 Prozent
  • Pflegeversicherung: circa 3 bis 4 Prozent
  • Einkommensteuer: abhängig vom Gesamteinkommen (Rentenfreibetrag beachten)

Rechnen Sie realistisch mit 70 bis 80 Prozent des genannten Brutto-Betrags als verfügbares Nettoeinkommen.

Schritt 3: Weitere Einkünfte im Alter

Addieren Sie alle weiteren erwarteten Einnahmequellen:

  • Betriebliche Altersvorsorge (netto nach Steuern und Sozialabgaben)
  • Riester-/Rürup-Rente (netto nach Steuern)
  • Private Rentenversicherung
  • Mieteinnahmen aus Immobilien
  • Ersparte Miete bei Wohneigentum
  • Kapitalerträge aus Sparguthaben und Wertpapieren

Schritt 4: Die Rentenlücke berechnen

Die Formel ist einfach:

Rentenlücke = Bedarf im Ruhestand – (gesetzliche Rente netto + weitere Einkünfte netto)

Rechenbeispiel:

  • Nettogehalt heute: 2.800 Euro
  • Bedarf im Ruhestand (80 %): 2.240 Euro
  • Gesetzliche Rente netto (geschätzt): 1.200 Euro
  • bAV netto: 150 Euro
  • Sonstige Einkünfte: 0 Euro
  • Rentenlücke: 2.240 – 1.200 – 150 = 890 Euro monatlich

Diese 890 Euro pro Monat müssen Sie durch private Vorsorge aufbauen. Bei einer Entnahme von 3,5 Prozent pro Jahr benötigen Sie dafür ein Vermögen von circa 305.000 Euro (890 × 12 ÷ 0,035).

Inflation: Der unsichtbare Rentendieb

Die Inflation ist der am häufigsten unterschätzte Faktor bei der Altersvorsorge. Bei 2 Prozent Inflation pro Jahr verliert Geld in 30 Jahren fast die Hälfte seiner Kaufkraft:

  • 1.000 Euro heute entsprechen in 20 Jahren nur noch circa 670 Euro Kaufkraft
  • 1.000 Euro heute entsprechen in 30 Jahren nur noch circa 550 Euro Kaufkraft

Das bedeutet: Wenn Sie heute eine Rentenlücke von 890 Euro berechnen, beträgt die reale Lücke in 30 Jahren circa 1.600 Euro in heutiger Kaufkraft. Ihre Vorsorge muss die Inflation schlagen — ein weiterer Grund, warum Aktien (mit historisch circa 5 Prozent realer Rendite) Sparkonten (mit oft negativer Realrendite) deutlich überlegen sind.

Notwendige monatliche Sparraten nach Alter

Wie viel müssen Sie monatlich sparen, um eine Rentenlücke von 1.000 Euro zu schließen (Zielvermögen circa 340.000 Euro bei 3,5 Prozent Entnahmerate, 7 Prozent Rendite vor Kosten)?

  • Alter 25 (42 Jahre bis Rente): circa 140 Euro/Monat
  • Alter 30 (37 Jahre): circa 200 Euro/Monat
  • Alter 35 (32 Jahre): circa 290 Euro/Monat
  • Alter 40 (27 Jahre): circa 420 Euro/Monat
  • Alter 45 (22 Jahre): circa 620 Euro/Monat
  • Alter 50 (17 Jahre): circa 950 Euro/Monat

Die Botschaft ist eindeutig: Je früher Sie anfangen, desto weniger müssen Sie monatlich sparen. Ein 25-Jähriger muss weniger als ein Viertel dessen aufwenden, was ein 50-Jähriger braucht. Der Zinseszins arbeitet für Sie — aber nur, wenn Sie ihm genügend Zeit geben.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechne ich meine Rentenlücke?
Berechnen Sie Ihren Bedarf (circa 80 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens), ziehen Sie die erwartete gesetzliche Rente netto und weitere Einkünfte ab. Die Differenz ist Ihre Rentenlücke. Beispiel: 2.500 Euro Netto × 80 Prozent = 2.000 Euro Bedarf, minus 1.100 Euro gesetzliche Rente netto = 900 Euro Rentenlücke.
Wo finde ich meine voraussichtliche Rente?
In der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung, die Sie automatisch per Post erhalten. Nutzen Sie die hochgerechnete Rente ohne Anpassung als Planungsgrundlage und ziehen Sie circa 20 bis 30 Prozent für Steuern und Sozialabgaben ab.
Wie viel Vermögen brauche ich für die Rente?
Teilen Sie Ihre jährliche Rentenlücke durch die Entnahmerate (3,5 Prozent als konservative Planung). Bei 1.000 Euro monatlicher Lücke: 12.000 Euro ÷ 0,035 = circa 343.000 Euro Zielvermögen. Berücksichtigen Sie zusätzlich die Inflation, die das benötigte Vermögen weiter erhöht.
Was passiert, wenn ich erst mit 40 anfange zu sparen?
Es ist nie zu spät, aber teurer. Ein 40-Jähriger muss für das gleiche Zielvermögen circa dreimal so viel monatlich sparen wie ein 25-Jähriger. Bei einer Rentenlücke von 1.000 Euro braucht ein 40-Jähriger circa 420 Euro monatlich, ein 25-Jähriger nur circa 140 Euro. Der Zinseszinseffekt macht den Unterschied.
Wie berücksichtige ich die Inflation bei der Rentenplanung?
Bei 2 Prozent Inflation halbiert sich die Kaufkraft in 35 Jahren. Ihre heutige Rentenlücke von 1.000 Euro entspricht in 30 Jahren einem realen Bedarf von circa 1.800 Euro. Investieren Sie in Sachwerte wie Aktien-ETFs, die historisch die Inflation übertreffen, statt in Nominalwerte wie Sparkonten.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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