PFAS-Chemikalien: Ewigkeitsgifte in Alltagsprodukten vermeiden
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Was sind PFAS-Chemikalien?
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die wegen ihrer extremen Langlebigkeit als „Ewigkeitschemikalien" (Forever Chemicals) bezeichnet werden. Sie werden weder durch Wasser, Hitze, noch durch natürliche Abbauprozesse zersetzt und reichern sich in der Umwelt und im menschlichen Körper an.
PFAS wurden seit den 1950er Jahren industriell eingesetzt, weil sie Oberflächen wasser-, fett- und schmutzabweisend machen. Heute sind sie praktisch überall nachweisbar – im Blut von 98 % der Bevölkerung, im Trinkwasser, in Böden und sogar in der Arktis.
Die Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen informiert Sie über die wichtigsten PFAS-Quellen im Alltag und zeigt, wie Sie Ihre Belastung effektiv reduzieren können.
Wo PFAS in Alltagsprodukten vorkommen
PFAS sind in einer erschreckenden Vielzahl von Alltagsprodukten enthalten:
Küche und Haushalt
- Beschichtete Pfannen und Töpfe: Teflon (PTFE) ist eine PFAS-Verbindung – bei Überhitzung über 260°C können giftige Dämpfe freigesetzt werden
- Backpapier und Backformen: Antihaftbeschichtungen enthalten oft PFAS
- Lebensmittelverpackungen: Fast-Food-Schachteln, Pizzakartons, Mikrowellen-Popcorn-Tüten
- Frischhaltefolien: Bestimmte Produkte nutzen PFAS für Fettbeständigkeit
Kleidung und Textilien
- Outdoor-Jacken: Gore-Tex und ähnliche Membranen basieren auf PFAS
- Schmutzabweisende Textilien: Sofabezüge, Teppiche, Tischdecken mit Fleckschutz
- Arbeitskleidung: Feuerwehr-Schutzausrüstung enthält hohe PFAS-Konzentrationen
Kosmetik und Körperpflege
- Foundation und Concealer: PFAS sorgen für glatte Textur und Langlebigkeit
- Wasserfeste Mascara: Enthält oft fluorierte Verbindungen
- Zahnseide: Bestimmte Gleit-beschichtete Zahnseiden enthalten PFAS
- Sonnencreme: Einige Produkte nutzen PFAS für Wasserfestigkeit
Gesundheitsrisiken durch PFAS
Die wissenschaftliche Evidenz für Gesundheitsschäden durch PFAS wächst stetig. Nachgewiesene und vermutete Risiken umfassen:
- Krebserkrankungen: Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) hat PFOA als „krebserregend für Menschen" (Gruppe 1) und PFOS als „möglicherweise krebserregend" (Gruppe 2B) eingestuft
- Schilddrüsenerkrankungen: PFAS stören die Schilddrüsenfunktion und den Hormonstoffwechsel
- Immunsystem-Schwächung: Studien zeigen verminderte Impfantworten bei PFAS-belasteten Kindern
- Erhöhte Cholesterinwerte: PFAS-Exposition korreliert mit erhöhtem LDL-Cholesterin
- Leberschäden: Erhöhte Leberenzymwerte bei höherer PFAS-Belastung
- Fortpflanzungsprobleme: Verminderte Fruchtbarkeit und erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen
- Entwicklungsstörungen: Geringeres Geburtsgewicht und verzögerte Entwicklung bei Kindern
Besonders besorgniserregend: PFAS werden über die Muttermilch an Säuglinge weitergegeben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2020 die tolerable wöchentliche Aufnahmemenge drastisch auf 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt.
PFAS im Trinkwasser: Grenzwerte 2026
Die überarbeitete EU-Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 setzt erstmals verbindliche Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser, die in Deutschland über die novellierte Trinkwasserverordnung (TrinkwV) umgesetzt werden:
- Ab 2026: Grenzwert von 0,1 µg/l für die Summe von 20 PFAS-Einzelsubstanzen
- Ab 2028: Grenzwert von 0,5 µg/l für die Gesamt-PFAS (Total PFAS)
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche Wasserversorger in Deutschland die kommenden Grenzwerte bereits überschreiten – insbesondere in Regionen mit industrieller PFAS-Kontamination (z. B. Mittelbaden, Düsseldorf, Altötting).
Was Sie tun können
- Fragen Sie bei Ihrem Wasserversorger nach aktuellen PFAS-Analyseergebnissen
- Aktivkohlefilter können einen Teil der PFAS aus dem Trinkwasser entfernen
- Umkehrosmose-Anlagen bieten die effektivste Filtration, sind aber kostenintensiv
- Einfaches Abkochen des Wassers entfernt PFAS nicht
PFAS in Lebensmittelverpackungen
PFAS werden in Lebensmittelverpackungen als Fett- und Wasserabweiser eingesetzt. Besonders betroffen sind:
- Fast-Food-Verpackungen: Burgerboxen, Pommes-Tüten, Wrap-Papier
- Pizzakartons: Die fettabweisende Innenbeschichtung enthält häufig PFAS
- Mikrowellen-Popcorn-Tüten: Die Innenbeschichtung gibt beim Erhitzen PFAS ab
- Backpapier: Antihaft-Beschichtungen basieren oft auf fluorierten Verbindungen
- Pappbecher: Coffee-to-go-Becher mit wasserabweisender Beschichtung
Seit Januar 2024 ist in Dänemark der Einsatz von PFAS in Lebensmittelverpackungen verboten. Auch Frankreich hat ein Verbot beschlossen. In Deutschland fehlt bisher eine nationale Regelung, das EU-weite Verbot wird frühestens 2027 erwartet.
PFAS in Kosmetik und Kleidung
PFAS in Kosmetik erkennen
In der INCI-Liste (Inhaltsstoffverzeichnis) erkennen Sie PFAS an folgenden Begriffen:
- PTFE (Polytetrafluoroethylen)
- Perfluorodecalin
- Perfluorononyl Dimethicone
- Alle Inhaltsstoffe mit „Fluor-" oder „Perfluor-" im Namen
Die EU hat im Rahmen der Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 ein Verbot bestimmter PFAS in Kosmetik beschlossen, das stufenweise bis 2027 in Kraft tritt.
PFAS in Kleidung vermeiden
Verzichten Sie auf Kleidung mit Werbeaussagen wie „wasserabweisend", „schmutzabweisend" oder „atmungsaktiv mit Membran", wenn keine PFAS-freie Alternative angegeben ist. Marken wie Vaude, Patagonia und Jack Wolfskin bieten zunehmend PFAS-freie Outdoor-Kleidung an.
EU-Verbotsverfahren: Aktueller Stand
Im Februar 2023 haben fünf europäische Länder (Deutschland, Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen) bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) den umfassendsten Beschränkungsvorschlag in der Geschichte der EU-Chemikalienregulierung eingereicht:
- Betrifft: Über 10.000 PFAS-Verbindungen in praktisch allen Anwendungsbereichen
- Öffentliche Konsultation: Über 5.600 Stellungnahmen eingegangen (Rekord)
- Voraussichtliches Inkrafttreten: Frühestens 2027–2028, mit Übergangsfristen bis 2035 für bestimmte Anwendungen
- Ausnahmen: Werden diskutiert für Medizinprodukte, Halbleiterindustrie und bestimmte Sicherheitsanwendungen
Das ECHA-Verfahren ist das wichtigste regulatorische Instrument, um die PFAS-Belastung langfristig zu reduzieren. Die endgültige Entscheidung der EU-Kommission wird für 2026/2027 erwartet.
PFAS-freie Alternativen für den Alltag
Für die meisten PFAS-haltigen Produkte existieren bereits gute Alternativen:
Küche
- Pfannen: Gusseisen, Edelstahl oder Keramik-beschichtete Pfannen statt Teflon
- Backpapier: Ungebleichtes Backpapier ohne Beschichtung oder wiederverwendbare Silikon-Backmatten
- Verpackungen: Bienenwachstücher, Edelstahl-Dosen, Glascontainer
Kleidung
- Outdoor-Jacken: PFC-freie DWR-Beschichtungen (z. B. auf Wachsbasis oder Silikonbasis)
- Regenschutz: Gewachste Baumwolle oder PFC-freie Membranen (z. B. Sympatex)
Kosmetik
- Zertifizierte Naturkosmetik: BDIH, NaTrue, Ecocert – diese Labels schließen PFAS aus
- Zahnseide: Unbeschichtete Zahnseide aus Seide oder PLA
So reduzieren Sie Ihre PFAS-Belastung
Eine vollständige Vermeidung von PFAS ist angesichts der allgegenwärtigen Kontamination kaum möglich. Sie können Ihre Belastung jedoch deutlich reduzieren:
- Verzichten Sie auf beschichtete Pfannen oder nutzen Sie diese nur bei niedriger Temperatur
- Essen Sie weniger Fast Food aus PFAS-beschichteten Verpackungen
- Wählen Sie PFAS-freie Kosmetik: Prüfen Sie die INCI-Liste oder nutzen Sie Apps wie ToxFox oder CodeCheck
- Filtern Sie Ihr Trinkwasser mit Aktivkohle oder Umkehrosmose
- Vermeiden Sie schmutzabweisende Textilien, sofern keine PFC-freie Alternative angegeben ist
- Lüften Sie neue Textilien und Möbel gründlich aus, bevor Sie sie intensiv nutzen
- Meiden Sie Mikrowellen-Popcorn – bereiten Sie Popcorn in der Pfanne oder im Topf zu
Ihre Rechte als Verbraucher
Als Verbraucher haben Sie das Recht, Informationen über PFAS in Produkten zu erhalten:
- REACH-Auskunftsrecht (Art. 33 Abs. 2): Sie können jeden Händler fragen, ob ein Produkt SVHC-Stoffe (besonders besorgniserregende Stoffe) über 0,1 % enthält. Der Händler muss innerhalb von 45 Tagen antworten
- Informationsfreiheitsgesetz: Sie können bei Behörden Informationen über PFAS-Belastungen in Ihrer Region anfragen
- Produkthaftung: Bei nachgewiesenen Gesundheitsschäden durch PFAS können Schadenersatzansprüche bestehen
Nutzen Sie die ToxFox-App des BUND, um über den Barcode-Scan SVHC-Anfragen direkt an Hersteller zu senden.
Häufig gestellte Fragen
Was sind PFAS und warum heißen sie Ewigkeitschemikalien?▾
Sind Teflon-Pfannen gefährlich?▾
Wie erkenne ich PFAS in Kosmetikprodukten?▾
Entfernt ein Wasserfilter PFAS aus dem Trinkwasser?▾
Wann kommt das EU-weite PFAS-Verbot?▾
Kann ich meinen PFAS-Blutspiegel messen lassen?▾
Sind 'PFC-frei'-Produkte wirklich PFAS-frei?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 10.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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