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Lebensmittel & GesundheitAktualisiert: 10. Mai 202613 Min. Lesezeit

PFAS-Chemikalien: Ewigkeitsgifte in Alltagsprodukten vermeiden

Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen

Stand: 09.05.2026Redaktion: Verbraucherzentrale Finanzen und VersicherungenPrüfung: Vier-Augen-Prinzip
Quellen geprüftKeine Affiliate-Links

Was sind PFAS-Chemikalien?

PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind eine Gruppe von über 10.000 synthetischen Chemikalien, die wegen ihrer extremen Langlebigkeit als „Ewigkeitschemikalien" (Forever Chemicals) bezeichnet werden. Sie werden weder durch Wasser, Hitze, noch durch natürliche Abbauprozesse zersetzt und reichern sich in der Umwelt und im menschlichen Körper an.

PFAS wurden seit den 1950er Jahren industriell eingesetzt, weil sie Oberflächen wasser-, fett- und schmutzabweisend machen. Heute sind sie praktisch überall nachweisbar – im Blut von 98 % der Bevölkerung, im Trinkwasser, in Böden und sogar in der Arktis.

Die Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen informiert Sie über die wichtigsten PFAS-Quellen im Alltag und zeigt, wie Sie Ihre Belastung effektiv reduzieren können.

Wo PFAS in Alltagsprodukten vorkommen

PFAS sind in einer erschreckenden Vielzahl von Alltagsprodukten enthalten:

Küche und Haushalt

  • Beschichtete Pfannen und Töpfe: Teflon (PTFE) ist eine PFAS-Verbindung – bei Überhitzung über 260°C können giftige Dämpfe freigesetzt werden
  • Backpapier und Backformen: Antihaftbeschichtungen enthalten oft PFAS
  • Lebensmittelverpackungen: Fast-Food-Schachteln, Pizzakartons, Mikrowellen-Popcorn-Tüten
  • Frischhaltefolien: Bestimmte Produkte nutzen PFAS für Fettbeständigkeit

Kleidung und Textilien

  • Outdoor-Jacken: Gore-Tex und ähnliche Membranen basieren auf PFAS
  • Schmutzabweisende Textilien: Sofabezüge, Teppiche, Tischdecken mit Fleckschutz
  • Arbeitskleidung: Feuerwehr-Schutzausrüstung enthält hohe PFAS-Konzentrationen

Kosmetik und Körperpflege

  • Foundation und Concealer: PFAS sorgen für glatte Textur und Langlebigkeit
  • Wasserfeste Mascara: Enthält oft fluorierte Verbindungen
  • Zahnseide: Bestimmte Gleit-beschichtete Zahnseiden enthalten PFAS
  • Sonnencreme: Einige Produkte nutzen PFAS für Wasserfestigkeit

Gesundheitsrisiken durch PFAS

Die wissenschaftliche Evidenz für Gesundheitsschäden durch PFAS wächst stetig. Nachgewiesene und vermutete Risiken umfassen:

  • Krebserkrankungen: Die IARC (Internationale Agentur für Krebsforschung) hat PFOA als „krebserregend für Menschen" (Gruppe 1) und PFOS als „möglicherweise krebserregend" (Gruppe 2B) eingestuft
  • Schilddrüsenerkrankungen: PFAS stören die Schilddrüsenfunktion und den Hormonstoffwechsel
  • Immunsystem-Schwächung: Studien zeigen verminderte Impfantworten bei PFAS-belasteten Kindern
  • Erhöhte Cholesterinwerte: PFAS-Exposition korreliert mit erhöhtem LDL-Cholesterin
  • Leberschäden: Erhöhte Leberenzymwerte bei höherer PFAS-Belastung
  • Fortpflanzungsprobleme: Verminderte Fruchtbarkeit und erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen
  • Entwicklungsstörungen: Geringeres Geburtsgewicht und verzögerte Entwicklung bei Kindern

Besonders besorgniserregend: PFAS werden über die Muttermilch an Säuglinge weitergegeben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2020 die tolerable wöchentliche Aufnahmemenge drastisch auf 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht gesenkt.

PFAS im Trinkwasser: Grenzwerte 2026

Die überarbeitete EU-Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 setzt erstmals verbindliche Grenzwerte für PFAS im Trinkwasser, die in Deutschland über die novellierte Trinkwasserverordnung (TrinkwV) umgesetzt werden:

  • Ab 2026: Grenzwert von 0,1 µg/l für die Summe von 20 PFAS-Einzelsubstanzen
  • Ab 2028: Grenzwert von 0,5 µg/l für die Gesamt-PFAS (Total PFAS)

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass zahlreiche Wasserversorger in Deutschland die kommenden Grenzwerte bereits überschreiten – insbesondere in Regionen mit industrieller PFAS-Kontamination (z. B. Mittelbaden, Düsseldorf, Altötting).

Was Sie tun können

  • Fragen Sie bei Ihrem Wasserversorger nach aktuellen PFAS-Analyseergebnissen
  • Aktivkohlefilter können einen Teil der PFAS aus dem Trinkwasser entfernen
  • Umkehrosmose-Anlagen bieten die effektivste Filtration, sind aber kostenintensiv
  • Einfaches Abkochen des Wassers entfernt PFAS nicht

PFAS in Lebensmittelverpackungen

PFAS werden in Lebensmittelverpackungen als Fett- und Wasserabweiser eingesetzt. Besonders betroffen sind:

  • Fast-Food-Verpackungen: Burgerboxen, Pommes-Tüten, Wrap-Papier
  • Pizzakartons: Die fettabweisende Innenbeschichtung enthält häufig PFAS
  • Mikrowellen-Popcorn-Tüten: Die Innenbeschichtung gibt beim Erhitzen PFAS ab
  • Backpapier: Antihaft-Beschichtungen basieren oft auf fluorierten Verbindungen
  • Pappbecher: Coffee-to-go-Becher mit wasserabweisender Beschichtung

Seit Januar 2024 ist in Dänemark der Einsatz von PFAS in Lebensmittelverpackungen verboten. Auch Frankreich hat ein Verbot beschlossen. In Deutschland fehlt bisher eine nationale Regelung, das EU-weite Verbot wird frühestens 2027 erwartet.

PFAS in Kosmetik und Kleidung

PFAS in Kosmetik erkennen

In der INCI-Liste (Inhaltsstoffverzeichnis) erkennen Sie PFAS an folgenden Begriffen:

  • PTFE (Polytetrafluoroethylen)
  • Perfluorodecalin
  • Perfluorononyl Dimethicone
  • Alle Inhaltsstoffe mit „Fluor-" oder „Perfluor-" im Namen

Die EU hat im Rahmen der Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009 ein Verbot bestimmter PFAS in Kosmetik beschlossen, das stufenweise bis 2027 in Kraft tritt.

PFAS in Kleidung vermeiden

Verzichten Sie auf Kleidung mit Werbeaussagen wie „wasserabweisend", „schmutzabweisend" oder „atmungsaktiv mit Membran", wenn keine PFAS-freie Alternative angegeben ist. Marken wie Vaude, Patagonia und Jack Wolfskin bieten zunehmend PFAS-freie Outdoor-Kleidung an.

EU-Verbotsverfahren: Aktueller Stand

Im Februar 2023 haben fünf europäische Länder (Deutschland, Niederlande, Dänemark, Schweden, Norwegen) bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) den umfassendsten Beschränkungsvorschlag in der Geschichte der EU-Chemikalienregulierung eingereicht:

  • Betrifft: Über 10.000 PFAS-Verbindungen in praktisch allen Anwendungsbereichen
  • Öffentliche Konsultation: Über 5.600 Stellungnahmen eingegangen (Rekord)
  • Voraussichtliches Inkrafttreten: Frühestens 2027–2028, mit Übergangsfristen bis 2035 für bestimmte Anwendungen
  • Ausnahmen: Werden diskutiert für Medizinprodukte, Halbleiterindustrie und bestimmte Sicherheitsanwendungen

Das ECHA-Verfahren ist das wichtigste regulatorische Instrument, um die PFAS-Belastung langfristig zu reduzieren. Die endgültige Entscheidung der EU-Kommission wird für 2026/2027 erwartet.

PFAS-freie Alternativen für den Alltag

Für die meisten PFAS-haltigen Produkte existieren bereits gute Alternativen:

Küche

  • Pfannen: Gusseisen, Edelstahl oder Keramik-beschichtete Pfannen statt Teflon
  • Backpapier: Ungebleichtes Backpapier ohne Beschichtung oder wiederverwendbare Silikon-Backmatten
  • Verpackungen: Bienenwachstücher, Edelstahl-Dosen, Glascontainer

Kleidung

  • Outdoor-Jacken: PFC-freie DWR-Beschichtungen (z. B. auf Wachsbasis oder Silikonbasis)
  • Regenschutz: Gewachste Baumwolle oder PFC-freie Membranen (z. B. Sympatex)

Kosmetik

  • Zertifizierte Naturkosmetik: BDIH, NaTrue, Ecocert – diese Labels schließen PFAS aus
  • Zahnseide: Unbeschichtete Zahnseide aus Seide oder PLA

So reduzieren Sie Ihre PFAS-Belastung

Eine vollständige Vermeidung von PFAS ist angesichts der allgegenwärtigen Kontamination kaum möglich. Sie können Ihre Belastung jedoch deutlich reduzieren:

  • Verzichten Sie auf beschichtete Pfannen oder nutzen Sie diese nur bei niedriger Temperatur
  • Essen Sie weniger Fast Food aus PFAS-beschichteten Verpackungen
  • Wählen Sie PFAS-freie Kosmetik: Prüfen Sie die INCI-Liste oder nutzen Sie Apps wie ToxFox oder CodeCheck
  • Filtern Sie Ihr Trinkwasser mit Aktivkohle oder Umkehrosmose
  • Vermeiden Sie schmutzabweisende Textilien, sofern keine PFC-freie Alternative angegeben ist
  • Lüften Sie neue Textilien und Möbel gründlich aus, bevor Sie sie intensiv nutzen
  • Meiden Sie Mikrowellen-Popcorn – bereiten Sie Popcorn in der Pfanne oder im Topf zu

Ihre Rechte als Verbraucher

Als Verbraucher haben Sie das Recht, Informationen über PFAS in Produkten zu erhalten:

  • REACH-Auskunftsrecht (Art. 33 Abs. 2): Sie können jeden Händler fragen, ob ein Produkt SVHC-Stoffe (besonders besorgniserregende Stoffe) über 0,1 % enthält. Der Händler muss innerhalb von 45 Tagen antworten
  • Informationsfreiheitsgesetz: Sie können bei Behörden Informationen über PFAS-Belastungen in Ihrer Region anfragen
  • Produkthaftung: Bei nachgewiesenen Gesundheitsschäden durch PFAS können Schadenersatzansprüche bestehen

Nutzen Sie die ToxFox-App des BUND, um über den Barcode-Scan SVHC-Anfragen direkt an Hersteller zu senden.

Häufig gestellte Fragen

Was sind PFAS und warum heißen sie Ewigkeitschemikalien?
PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) sind über 10.000 synthetische Chemikalien mit extrem stabilen Kohlenstoff-Fluor-Bindungen. Sie werden 'Ewigkeitschemikalien' genannt, weil sie in der Umwelt praktisch nicht abgebaut werden – weder durch Wasser, Hitze, UV-Strahlung noch Mikroorganismen. Sie reichern sich über Jahrzehnte in Böden, Gewässern und im menschlichen Körper an.
Sind Teflon-Pfannen gefährlich?
Teflon (PTFE) selbst ist bei normaler Nutzung stabil. Gefährlich wird es bei Überhitzung über 260°C: Dann können giftige Dämpfe freigesetzt werden. Bei beschädigter Beschichtung können zudem PFAS-Partikel in Lebensmittel gelangen. Sicherere Alternativen sind Pfannen aus Gusseisen, Edelstahl oder mit Keramikbeschichtung.
Wie erkenne ich PFAS in Kosmetikprodukten?
Prüfen Sie die INCI-Liste auf der Verpackung. PFAS-haltige Inhaltsstoffe erkennen Sie an Begriffen wie PTFE, Perfluorodecalin, Perfluorononyl Dimethicone oder generell Bezeichnungen mit 'Fluor-' oder 'Perfluor-'. Die ToxFox-App des BUND kann ebenfalls helfen, problematische Inhaltsstoffe zu identifizieren.
Entfernt ein Wasserfilter PFAS aus dem Trinkwasser?
Einfache Tischwasserfilter entfernen PFAS nur teilweise. Am effektivsten sind Umkehrosmose-Anlagen (entfernen über 90 % der PFAS) und hochwertige Aktivkohle-Blockfilter. Einfaches Abkochen des Wassers entfernt PFAS nicht, da sie hitzebeständig sind. Fragen Sie bei Ihrem Wasserversorger nach aktuellen PFAS-Messwerten.
Wann kommt das EU-weite PFAS-Verbot?
Das umfassende EU-Beschränkungsverfahren wurde 2023 bei der ECHA eingereicht. Die öffentliche Konsultation ist abgeschlossen. Mit der endgültigen Entscheidung der EU-Kommission wird 2026/2027 gerechnet. Das Verbot würde stufenweise mit Übergangsfristen bis 2035 in Kraft treten. Für bestimmte Anwendungen wie Medizinprodukte werden Ausnahmen diskutiert.
Kann ich meinen PFAS-Blutspiegel messen lassen?
Ja, über Umweltmediziner oder spezialisierte Labore können Sie Ihren PFAS-Blutspiegel bestimmen lassen. Die Kosten (200-400 €) werden in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen, es sei denn, es liegt ein konkreter Verdacht auf erhöhte Exposition vor. Das Umweltbundesamt veröffentlicht Referenzwerte für die Allgemeinbevölkerung.
Sind 'PFC-frei'-Produkte wirklich PFAS-frei?
Vorsicht: 'PFC-frei' bedeutet nicht immer vollständig PFAS-frei. Manche Hersteller meinen damit nur, dass keine langkettigen PFAS verwendet werden, setzen aber kurzkettige PFAS ein, die ebenfalls problematisch sein können. Achten Sie auf die Formulierung 'frei von allen fluorierten Verbindungen' oder zertifizierte Labels wie OEKO-TEX oder bluesign.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 10.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.

Redaktionelle Verantwortung: Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen, Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen · Prüfung nach dem Vier-Augen-Prinzip

Quellen: Öffentlich zugängliche Geschäftsberichte, regulatorische Filings, anerkannte Finanzdatenbanken · Keine Anlageberatung i.S.d. § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG

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