Geldautomat-Gebühren: So vermeiden Sie teure Abhebungen
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Geldautomat-Gebühren in Deutschland: Ein teures Ärgernis
Obwohl bargeldlose Zahlungen zunehmen, heben die Deutschen jährlich über 100 Milliarden Euro an rund 56.000 Geldautomaten ab. Was viele nicht wissen: Jede zweite Abhebung kostet Geld — oft mehr, als den meisten bewusst ist. Die Gebühren für das Abheben am Fremdautomaten liegen typischerweise zwischen 3,50 und 6,50 Euro pro Vorgang.
Die Verbraucherzentralen kritisieren seit Jahren die mangelnde Transparenz bei Abhebungsgebühren. Zwar ist seit 2018 eine Entgeltanzeige vor Abschluss der Transaktion Pflicht, doch viele Verbraucher bemerken die Gebühr erst auf dem Kontoauszug. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie Gebühren vermeiden und wo Sie kostenlos Bargeld bekommen.
Fremdbank-Gebühren: So teuer wird das Abheben
Wenn Sie Geld an einem Automaten abheben, der nicht zu Ihrer Bank oder deren Verbund gehört, fallen in der Regel Gebühren an. Diese können sich aus zwei Komponenten zusammensetzen:
Gebühr des Automatenbetreibers
Die Bank, der der Automat gehört, kann ein Direktentgelt erheben — typischerweise 1,95 bis 4,95 Euro pro Abhebung. Seit der Reform der Interbankenentgelte legen die Automatenbetreiber die Gebühren selbst fest. Diese Gebühr wird Ihnen vor der Abhebung auf dem Display angezeigt (Entgeltanzeige).
Gebühr Ihrer eigenen Bank
Zusätzlich kann Ihre Bank ein Fremdabhebeentgelt erheben — häufig 2,00 bis 5,00 Euro. Diese Gebühr erscheint auf Ihrem Kontoauszug und wird oft übersehen. Prüfen Sie das Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank, um diese versteckte Gebühr zu kennen.
Beispielrechnung: Sie heben 50 Euro an einem Fremdautomaten ab. Der Automatenbetreiber berechnet 3,95 Euro, Ihre Bank zusätzlich 2,50 Euro. Gesamtkosten: 6,45 Euro — das entspricht einem Aufschlag von fast 13 Prozent auf den Abhebebetrag.
Verbünde: Cash Group, CashPool und BankCard ServiceNetz
Die meisten Banken haben sich zu Verbünden zusammengeschlossen, innerhalb derer Sie kostenlos Geld abheben können:
Cash Group
Die größte Gruppe mit rund 7.000 Automaten in Deutschland. Mitglieder: Deutsche Bank, Commerzbank, HypoVereinsbank (UniCredit) und Postbank sowie deren Tochtergesellschaften. Kunden dieser Banken heben an allen Cash-Group-Automaten kostenlos ab.
CashPool
Rund 2.500 Automaten von Privatbanken wie Targobank, Santander, Degussa Bank, Sparda-Banken und weiteren. Kunden dieser Institute heben an allen CashPool-Automaten kostenfrei ab.
Sparkassen (S-Verbund)
Die Sparkassen betreiben mit etwa 23.000 Automaten das mit Abstand größte Netz in Deutschland. Jeder Sparkassenkunde kann an jedem Sparkassen-Automaten bundesweit kostenlos abheben — ein enormer Vorteil besonders im ländlichen Raum.
Volksbanken und Raiffeisenbanken (BankCard ServiceNetz)
Rund 17.000 Automaten der genossenschaftlichen Finanzgruppe. Kunden von Volksbanken und Raiffeisenbanken heben an allen VR-Automaten kostenlos ab.
Direktbanken: Kostenlos Bargeld abheben — bundesweit
Direktbanken bieten oft die besten Konditionen für Bargeldabhebungen, da sie keine eigenen Filialen unterhalten und die eingesparten Kosten an die Kunden weitergeben:
- DKB (Deutsche Kreditbank): Kostenlos an allen Visa-Automaten weltweit mit der Visa-Debitkarte (Aktivstatus erforderlich). Ohne Aktivstatus kostenlos an allen Automaten mit Visa-Zeichen in Deutschland.
- ING: Kostenlos an allen Visa-Automaten in Deutschland ab 50 Euro Abhebung. Im Ausland fallen Gebühren an, die abhängig vom Kontomodell variieren.
- Comdirect: Dreimal monatlich kostenlos an allen Automaten mit Visa-Zeichen in Deutschland (mit Visa-Debitkarte). Darüber hinaus an Cash-Group-Automaten mit der Girocard unbegrenzt kostenlos.
- N26: Drei bis acht kostenlose Abhebungen pro Monat (je nach Kontomodell) an allen Automaten mit Mastercard-Zeichen.
Achtung: Die Bedingungen der Direktbanken ändern sich regelmäßig. Prüfen Sie die aktuellen Konditionen auf der Website Ihrer Bank, bevor Sie sich auf kostenlose Abhebungen verlassen.
Cashback im Supermarkt: Bargeld beim Einkauf
Eine clevere Alternative zum Geldautomaten: Beim Cashback heben Sie Bargeld direkt an der Supermarktkasse ab — kostenlos und ohne Automatensuchreien. Immer mehr Einzelhändler bieten diesen Service an:
- REWE: Bis zu 200 Euro Cashback ab 2 Euro Einkaufswert.
- Aldi Süd und Aldi Nord: Bis zu 200 Euro ab 5 Euro Einkaufswert.
- Lidl: Bis zu 200 Euro.
- Netto, Penny, Edeka: Variiert je nach Markt, meist bis 200 Euro.
- dm, Rossmann: Bis zu 200 Euro ab einem Mindesteinkaufswert.
Voraussetzung: Sie zahlen Ihren Einkauf mit Girocard (EC-Karte). Kreditkarten werden beim Cashback meist nicht akzeptiert. Der Cashback-Betrag wird zusammen mit dem Einkaufsbetrag per Lastschrift von Ihrem Konto abgebucht — eine separate Gebühr fällt nicht an.
Bargeld im Ausland: Gebühren vermeiden
Beim Geldabheben im Ausland fallen meist mehrere Gebühren gleichzeitig an:
- Auslandseinsatzentgelt: Ihre Bank berechnet oft 1,0 bis 1,75 % des Abhebebetrags für den Währungsumtausch (bei Fremdwährungen).
- Automatengebühr: Der ausländische Automatenbetreiber kann eine zusätzliche Gebühr erheben.
- Dynamische Währungsumrechnung (DCC): An vielen Automaten im Ausland werden Sie gefragt, ob Sie in Euro oder in der Landeswährung abbuchen möchten. Wählen Sie immer die Landeswährung! Bei der Umrechnung in Euro durch den Automatenbetreiber wird ein deutlich schlechterer Wechselkurs verwendet — das kostet Sie oft 3–7 % extra.
So sparen Sie im Ausland
- DKB Visa-Debitkarte: Kostenlos an Visa-Automaten weltweit (mit Aktivstatus).
- Immer in Landeswährung abbuchen: Lehnen Sie die Umrechnung in Euro am Automaten ab.
- Höhere Beträge seltener abheben: So minimieren Sie die Anzahl der Gebühren.
- Prepaid-Kreditkarten nutzen: Spezielle Reise-Kreditkarten bieten oft gebührenfreie Auslandsabhebungen.
Entgeltanzeige am Automaten: Ihre Rechte
Seit 2018 sind Automatenbetreiber gesetzlich verpflichtet, Ihnen vor Abschluss der Transaktion die Höhe der Automatengebühr auf dem Display anzuzeigen. Sie können die Abhebung dann abbrechen, wenn Ihnen die Gebühr zu hoch ist.
Diese Regelung basiert auf § 675d BGB in Verbindung mit der EU-Verordnung über Interbankenentgelte (EU 2015/751). Wenn ein Automat keine Entgeltanzeige zeigt und Ihnen trotzdem Gebühren berechnet werden, können Sie die Gebühr bei Ihrer Bank reklamieren.
Beachten Sie: Die Entgeltanzeige zeigt nur die Gebühr des Automatenbetreibers an — nicht die zusätzliche Gebühr, die Ihre eigene Bank möglicherweise erhebt. Die tatsächlichen Gesamtkosten sehen Sie erst auf Ihrem Kontoauszug.
Gebührenvergleich der größten Banken
Die Gebühren für Fremdabhebungen unterscheiden sich erheblich. Typische Kosten der großen Institutsgruppen:
- Sparkassen: 0 Euro an Sparkassen-Automaten, 3,50–5,00 Euro an Fremdautomaten je nach Sparkasse.
- Volksbanken: 0 Euro an VR-Automaten, 3,90–5,98 Euro an Fremdautomaten.
- Deutsche Bank: 0 Euro an Cash-Group-Automaten, 4,90 Euro an Fremdautomaten.
- Commerzbank: 0 Euro an Cash-Group-Automaten, je nach Kontomodell kostenlos oder 3,90–4,90 Euro an Fremdautomaten.
- DKB: 0 Euro an allen Visa-Automaten in Deutschland (und weltweit mit Aktivstatus).
- ING: 0 Euro an Visa-Automaten ab 50 Euro, sonst gebührenpflichtig.
Prüfen Sie das aktuelle Preis- und Leistungsverzeichnis Ihrer Bank — die Konditionen ändern sich regelmäßig. Besonders bei Filialbanken können die Gebühren je nach Geschäftsstelle variieren.
7 Tipps zum kostenlosen Geldabheben
- Automaten der eigenen Bank oder des Verbunds nutzen: Prüfen Sie vor der Abhebung, ob ein kostenloser Automat in der Nähe ist — nutzen Sie die Filialsuche Ihrer Bank.
- Cashback im Supermarkt: Heben Sie bis zu 200 Euro beim Einkauf ab — kostenlos und ohne extra Weg.
- Direktbank-Karte als Zweitkarte: Eine kostenlose Visa- oder Mastercard-Debitkarte einer Direktbank ermöglicht bundesweit kostenlose Abhebungen.
- Größere Beträge seltener abheben: Lieber einmal 200 Euro als viermal 50 Euro — so sparen Sie bis zu drei Gebühren.
- Im Ausland Landeswährung wählen: Vermeiden Sie die dynamische Währungsumrechnung — das kostet Sie 3–7 % extra.
- Entgeltanzeige beachten: Prüfen Sie die Gebühr auf dem Display vor der Abhebung — und brechen Sie ab, wenn sie zu hoch ist.
- Auf bargeldlose Alternativen umstellen: Wo möglich, zahlen Sie mit Karte oder Smartphone — das ist oft günstiger als Bargeldabhebungen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kostet das Geldabheben am Fremdautomaten?▾
Wo kann ich als Sparkassen-Kunde kostenlos Geld abheben?▾
Was ist Cashback im Supermarkt?▾
Was bedeutet dynamische Währungsumrechnung (DCC)?▾
Muss die Gebühr vor der Abhebung angezeigt werden?▾
Welche Direktbank bietet kostenloses Geldabheben weltweit?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 10.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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