Geldanlage für Kinder: So bauen Sie Vermögen für den Nachwuchs auf
Von Redaktion Verbraucherzentrale Finanzen und Versicherungen
Das Junior-Depot
Ein Junior-Depot ist ein Wertpapierdepot, das auf den Namen des Kindes eröffnet wird. Die Eltern verwalten es als gesetzliche Vertreter bis zur Volljährigkeit – dann geht die Verfügungsgewalt an das Kind über.
Vorteile des Junior-Depots:
- Eigener Sparerpauschbetrag des Kindes (1.000 €/Jahr steuerfrei)
- Eigener Grundfreibetrag (ca. 11.600 €/Jahr, wenn kein weiteres Einkommen)
- Sehr langer Anlagehorizont (Geburt bis 18 = optimale Voraussetzung)
- Frühzeitige Finanzbildung: Kind sieht Depot-Entwicklung
Junior-Depot-Anbieter:
- Consorsbank: Junior-Depot mit breiter ETF-Auswahl, Sparplan ab 10 €
- Comdirect: Junior-Depot mit guter App-Integration
- ING: Direkt-Depot Junior, kostenlose ETF-Sparpläne
- DKB: U18-Depot mit günstigen Konditionen
Achtung: Nicht alle Broker bieten Junior-Depots an – bei Neobrokern (Trade Republic, Scalable) gibt es diese Option bisher nicht. Hier muss auf eine Direktbank ausgewichen werden.
Rechtliche Aspekte
Eigentum des Kindes: Geld, das auf ein Junior-Depot eingezahlt wird, gehört dem Kind. Eltern verwalten es treuhänderisch und dürfen es nur zum Wohl des Kindes verwenden. Eine Entnahme für eigene Zwecke ist rechtlich unzulässig.
Kinderfreistellungsauftrag:
- Kinder haben einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 €
- Richten Sie einen Freistellungsauftrag für das Junior-Depot ein
- Zusätzlich: NV-Bescheinigung (Nichtveranlagungs-Bescheinigung) beim Finanzamt beantragen – damit bleiben alle Erträge bis zum Grundfreibetrag (ca. 11.600 €) steuerfrei
Vorsicht bei BAföG und Krankenversicherung:
- Vermögen über 15.000 € auf dem Namen des Kindes kann BAföG-Ansprüche mindern
- Bei hohem Depot-Wert (z. B. 30.000 €+) könnte die kostenlose Familienversicherung in der GKV entfallen
- Abwägung: Depot auf Eltern-Namen (steuerlich schlechter, aber kein BAföG-Problem) vs. Junior-Depot (steuerlich besser, aber potenzielle BAföG-Einbuße)
Der lange Zeithorizont
Der entscheidende Vorteil bei der Geldanlage für Kinder: Zeit. 18 Jahre Anlagehorizont sind für Aktien-ETFs ideal – historisch hat ein breit gestreuter Welt-ETF über 15+ Jahre nie Verlust gemacht.
Das bedeutet: Sie können eine 100 % Aktienquote wählen. Zwischenzeitliche Kursverluste von 30–50 % (wie 2008 oder 2020) sind bei 18 Jahren Horizont irrelevant – sie werden immer wieder aufgeholt.
Selbst das schlimmste historische Szenario (Start direkt vor einer großen Krise) führt über 18 Jahre zu positiven Renditen bei breit gestreuten Indizes.
ETF-Sparplan für Kinder
Empfehlung der Verbraucherzentrale:
- Ein einziger breit gestreuter Welt-ETF (thesaurierend bis Sparerpauschbetrag ausgenutzt, dann ggf. ausschüttend)
- Monatlicher Sparplan: Schon 50 €/Monat reichen für einen beachtlichen Vermögensaufbau
- Großeltern, Paten und Verwandte können per Dauerauftrag zum Sparplan beitragen
Rechenbeispiele (7 % durchschnittliche Rendite p.a.):
- 50 €/Monat über 18 Jahre: ca. 22.000 € (eingezahlt: 10.800 €)
- 100 €/Monat über 18 Jahre: ca. 44.000 € (eingezahlt: 21.600 €)
- 200 €/Monat über 18 Jahre: ca. 88.000 € (eingezahlt: 43.200 €)
- 25 €/Monat + 5.000 € Startkapital über 18 Jahre: ca. 28.000 € (eingezahlt: 10.400 €)
Das ist die Macht des Zinseszinses über einen langen Zeitraum – Ihr Kind startet mit einem enormen finanziellen Vorsprung ins Erwachsenenleben.
Warnung vor Versicherungsprodukten
Die Verbraucherzentrale warnt ausdrücklich vor folgenden Produkten für Kinder:
- Ausbildungsversicherung: Hohe Kosten (Abschluss- und Verwaltungsgebühren fressen 20–40 % der Einzahlungen in den ersten Jahren), unflexibel, niedrige Rendite. Ein ETF-Sparplan ist in jeder Hinsicht überlegen.
- Kindervorsorge-Policen: Kombination aus Versicherung und Sparvertrag – das Schlechteste aus beiden Welten. Hohe Kosten, niedrige Rendite, lange Bindung.
- Bausparverträge für Babys: Überteuert, unflexibel, und ob ein Kind in 18 Jahren eine Immobilie kaufen möchte, ist völlig ungewiss.
Warum sind diese Produkte so verbreitet? Weil Versicherungsvertreter hohe Provisionen daran verdienen (oft 3–5 % der Beitragssumme). Ein ETF-Sparplan bringt dem Berater keine Provision – deshalb wird er selten empfohlen.
18 Jahre Zinseszins
Die wahre Magie der Kinderdepot-Anlage liegt im exponentiellen Wachstum über fast zwei Jahrzehnte:
- 100 € monatlich ab Geburt bei 7 % Rendite = 44.000 € zum 18. Geburtstag
- Davon eingezahlt: 21.600 € – der Rest (22.400 €) ist reiner Zinseszins-Ertrag
- Das gleiche Kind startet mit 25 erst mit dem Sparen und braucht dann 200 €/Monat bis 65, um auf ähnliche Ergebnisse zu kommen
Der frühzeitige Start ist der größte finanzielle Vorteil, den Eltern ihren Kindern mitgeben können – wichtiger als der Betrag ist die Zeit im Markt.
Verwendung zum 18. Geburtstag:
- Führerschein, Studium, erste Wohnung – oder weiter investieren lassen
- Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Kind über Finanzen und die Bedeutung des Depots
- Viele Eltern befürchten, das Kind gibt alles sofort aus – Finanzbildung ab dem Jugendalter beugt dem vor
Häufig gestellte Fragen
Soll ich das Depot auf den Namen des Kindes eröffnen?▾
Was passiert mit dem Junior-Depot, wenn das Kind 18 wird?▾
Wie viel sollte man monatlich für ein Kind sparen?▾
Welchen ETF wähle ich für ein Kinderdepot?▾
Sollen Großeltern auf das Junior-Depot einzahlen?▾
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Dieser Artikel wurde zuletzt am 9.5.2026 aktualisiert und redaktionell geprüft.
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